{"id":107,"date":"2012-03-02T12:38:17","date_gmt":"2012-03-02T12:38:17","guid":{"rendered":"http:\/\/karinwieland.de\/kw\/?page_id=107"},"modified":"2015-12-07T13:57:50","modified_gmt":"2015-12-07T13:57:50","slug":"die-geliebte-des-duce","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/karinwieland.de\/kw\/buecher\/die-geliebte-des-duce\/","title":{"rendered":"Die Geliebte des Duce"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/karinwieland.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/buch_fasch_g.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-108 alignnone\" title=\"Die Geliebte des Duce\" src=\"http:\/\/karinwieland.de\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/buch_fasch_g.jpg\" alt=\"Die Geliebte des Duce\" width=\"250\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/karinwieland.de\/kw\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/buch_fasch_g.jpg 250w, https:\/\/karinwieland.de\/kw\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/buch_fasch_g-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Geliebte des Duce.<br \/>\nDas Leben der Margherita Sarfatti<br \/>\nund die Erfindung des Faschismus.<br \/>\nM\u00fcnchen: Hanser Verlag 2004<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/karinwieland.de\/?page_id=243\">Rezensionen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hanser-literaturverlage.de\/buecher\/buch.html?isbn=978-3-446-20484-3\">Verlagsprogramm<\/a><\/p>\n<p>Ein spektakul\u00e4res Frauenleben: Aufgewachsen am Ende des 19. Jahrhunderts als Tochter j\u00fcdischer Gro\u00dfb\u00fcrger in einem Palazzo am Canal Grande, zieht Margherita Sarfatti als junge Sozialistin und Vork\u00e4mpferin f\u00fcr die moderne Kunst nach Mailand. Dort lernt sie Benito Mussolini kennen. Ihre Liebe mu\u00df geheim bleiben, denn beide sind verheiratet &#8211; aber sie ist die Frau, die den linkischen, fanatischen Volksschullehrer in den charismatischen Duce verwandelt&#8230;<br \/>\nIn diesem Leben spiegelt sich das 20. Jahrhundert: das neue Selbestbewu\u00dftsein der Frauen, die Radikalit\u00e4t der Avantgarde &#8211; und die fatale Faszination des Totalitarismus.<br \/>\n&#8211; aus dem Klappentext &#8211;<\/p>\n<p>Margherita Grassini-Sarfatti war die J\u00fcngste in einer Geschichte der Assimilation, die an ihr Ende gekommen war. Auch wenn ihre individuelle Assimilation gegl\u00fcckt war, blieb sie doch Teil eines Kollektivs, das seine Differenz zur Nation auszeichnete. Margherita wollte alles sein und wurde von der Furcht verfolgt, nichts zu sein. Die Entdeckung des Politischen wurde zum zentralen Gegenstand ihrer Abkehr von der Religion. Es war eine Politik, die sie als Elite best\u00e4tigte und im Kollektiv versteckte, eine Politik, die Terror anwandte, um ihre Prophezeiungen zu verwirklichen, eine Politik, die Erl\u00f6sung durch Geschichte versprach. Margherita Grassini-Sarfatti w\u00e4hlte nicht den Tod, sondern den Faschismus.<\/p>\n<p>Ihre erste Liebe war der Sozialismus. Sie begegnete ihm mit f\u00fcnfzehn Jahren bei einem Urlaub an der Adria in Gestalt eines rothaarigen Anthropologieprofessors aus Florenz. Ihr sozialistischer Missionar erinnerte das gebildete M\u00e4dchen an eine Darstellung des heiligen Matth\u00e4us auf dem Gem\u00e4lde eines toskanischen Meisters aus dem Quattrocento. Er schenkte ihr Das Kapital und Schriften des Grafen Kropotkin, sie revanchierte sich mit einem Bildnis Shelleys. Der ungl\u00fcckliche Professor warb vergeblich um ihren K\u00f6rper und eroberte mit Marx ihren Geist.<\/p>\n<p>Er fiel Margherita Sarfatti sofort auf. Ihr Mann hatte ihr bereits von ihm vorgeschw\u00e4rmt; doch sie hatte beschlossen, ihn zun\u00e4chst nur am\u00fcsant zu finden. Er war ein kleiner Volksschullehrer, der sich vor dem Milit\u00e4rdienst gedr\u00fcckt und einige Jahre auf Wanderschaft in Frankreich und in der Schweiz zugebracht hatte. In dieser Zeit hatte er zu schreiben begonnen. Aufgrund einer Generalamnestie war er 1904 nach Italien zur\u00fcckgekehrt. Er nutzte seine abenteuerliche Vergangenheit, um sich als kompromissloser K\u00e4mpfer zu profilieren. Das Erbe seines Vaters und eine Mitgift der Verhei\u00dfung waren die Vornamen von drei ber\u00fchmten Revolution\u00e4ren: Benito Juarez, Andrea Costa und Amilcare Cipriani. Er war drei Jahre j\u00fcnger als Margherita, doch er hatte noch viel zu lernen.<\/p>\n<p>Benito Andrea Amilcare Mussolini war scheu und gehemmt. Er f\u00fchlte sich als Au\u00dfenseiter, und das Regelwerk eines Salons war ihm g\u00e4nzlich unbekannt. Er wirkte linkisch in seinem sch\u00e4bigen, viel zu engen Anzug, und die Gastgeberin raunte Margherita ins Ohr, er sei ein kleiner Tr\u00e4umer, der ein paar Seiten Nietzsche gelesen habe. Und die noch nicht einmal richtig, wie sie in einem sp\u00e4teren Gespr\u00e4ch feststellen musste. Im Gegensatz zu ihm war die Sarfatti eine elegante Erscheinung, die im Salon heimisch war. Sie umgab sich mit der Aura der Unnahbaren, war eine begehrte Gespr\u00e4chspartnerin und beherrschte das kokette Spiel perfekt. Mit n\u00fcchternem Blick registrierte sie seine M\u00e4ngel. Doch sie fasziniert von seiner ungest\u00fcmen M\u00e4nnlichkeit und dem grausamen Zug um seinen Mund. Der kleine Volksschullehrer mit politischen Ambitionen schien ihr ein vielversprechender Liebhaber.<\/p>\n<p>Viele faschistische K\u00fcnstler und Intellektuelle sahen in Mussolini selbst das vollendete faschistische Kunstwerk. Kunst und Politik gingen in seiner Person eine zuvor nicht gekannte Symbiose ein. Die Paradoxie der Beziehung zwischen Faschismus und Kultur war in seiner Person gel\u00f6st. Sarfatti kannte ihn zu gut, um daran glauben zu k\u00f6nnen. Sie hatte aktiv an der Legende vom K\u00fcnstler-Herrscher mitgewirkt, wenn sie in ihrer Biographie Mussolini wie folgt zitierte: &#8222;Meine Kunst ist die Kunst der K\u00fcnste (&#8230;) ist die schwierigste von allen, denn sie arbeitet nicht mit totem Material, sondern mit dem labilsten und zartesten: den Menschen.&#8220;<br \/>\nInsgeheim f\u00fchlte sie sich ihm \u00fcberlegen, denn sie hatte ihn erst zu dem gemacht, was er jetzt war Gl\u00fccklich und zufrieden registrierte sie, dass er ihr wieder Violinserenaden am Telefon vorspielte. Ihre Tr\u00e4ume wurden immer gro\u00dfartiger. In ihren Musestunden h\u00fcllte sie sich in Chiffon und malte sich aus, dass sie als diejenige in die Geschichte eingehen werde, die die zweite italienische Renaissance organisiert hat. Mussolinis Unentschiedenheit in Fragen der Kulturpolitik stand ihren hochgeschraubten Erwartungen entgegen. Wann immer sie konnte, agitierte sie gegen die k\u00fcnstlerische Vielfalt, die noch immer in Italien herrschte.<\/p>\n<p>Amerika gew\u00e4hrte Margherita Sarfatti ihren letzten gro\u00dfen Auftritt. Hier galt sie noch etwas, und keiner fragte danach, ob sie im Ghetto geboren war oder woher ihr Reichtum stamme. In den drei Monaten ihrer Reise hatte Sarfatti die Dem\u00fctigungen der vergangenen Jahre verdr\u00e4ngt, und irgendwann wieder daran geglaubt, eine wirklich wichtige Frau zu sein. Sie hatte ihre Rolle als Botschafterin des Faschismus und des Duce genossen, doch als sie allein in ihrer blumengeschm\u00fcckten Kabine sa\u00df und die Skyline von New York verschwinden sah, wusste sie, dass der Vorhang gefallen war. Sie kehrte in ihr Land zur\u00fcck, in dem ihr Abschied von der B\u00fchne bereits beschlossene Sache war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geliebte des Duce. Das Leben der Margherita Sarfatti und die Erfindung des Faschismus. 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